26.02.2008

Jojo-Effekt macht krank

26.02.2008 

Das Auf und Ab beim Gewicht kann schwere seelische und körperliche Probleme verursachen

Fast jeder, der einmal eine Diät gemacht hat, kennt das Problem: Kaum hat man abgenommen, kehren die Pfunde auch schon wieder. Doch dieser sogenante Jojo-Effekt ist nicht nur lästig, sondern auch ungesund, haben Wissenschaftler entdeckt. Er fördert Herz-Kreislauf-Erkrankungen stärker als das Übergewicht selbst und belastet zudem die Psyche der Betroffenen.

Es ist zum Verzweifeln! Da hungert man Tage, Wochen, ja sogar Monate, um unschöne Speckpolster an Bauch, Beinen und Po loszuwerden – und kaum lässt man die Zügel ein wenig schleifen, sind sie wieder da, in voller Pracht und nicht selten noch ausladender als vorher. Doch dieses gezeitenartige Auf und Ab des Gewichts, von Ernährungsforschern sehr bildhaft als Jojo-Effekt bezeichnet, ist nicht nur deprimierend und lästig: Immer mehr kristallisiert sich heraus, dass es extrem ungesund ist, schädlicher sogar als konstantes, stabiles Übergewicht – und zwar für Körper und Seele.

Da ist beispielsweise das Risiko für Herzinfarkte, bei beleibten Männern bekanntermaßen schon per se nicht gerade niedrig. Eine Langzeitstudie aus den USA zeigt jedoch, dass sich die Gefahr für eine tödliche Herzkrankheit sogar noch verdoppelt, wenn das Körpergewicht mehrmals um mehr als fünf Prozent schwankt, wie das Magazin "bild der wissenschaft" in seiner März-Ausgabe berichtet.

Ein ähnliches Bild ergab auch eine
Untersuchung aus dem Jahr 2005 mit mehr als 27.000 gesunden Frauen und Männern, geleitet von dem Epidemiologen Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (Dife) in Potsdam: "Weight Cycler" – Opfer des Jojo-Effekts also – litten nicht nur messbar häufiger unter zu hohem Blutdruck als die Teilnehmer mit einem stabilen Gewicht, sondern sogar häufiger als diejenigen, die zuvor stetig zugenommen hatten.

Doch woran liegt das? Ganz genau beantworten können die Wissenschaftler diese Frage noch nicht. Aufgrund von Studien an Ratten verdächtigen sie jedoch vor allem das Fettgewebe selbst. Denn je häufiger man die Fettdepots leert und wieder füllt, desto emsiger arbeiten die
Enzyme, die für das Einlagern von Fett zuständig sind – und desto mehr gesättigte Fettsäuren schaffen sie in die Speicher. Diese wiederum gelten vor allem für das Herz und die Gefäße als Belastung: "Je mehr gesättigtes Fett in den Depots schlummert, desto größer ist das Risiko für Herzkrankheiten", fasst der Schweizer Mediziner Jean-Pierre Montani von der Universität Fribourg zusammen.

Doch die gesättigten Fettsäuren sind nicht das einzige, was den Gefäßen zu schaffen macht: Wenn das Gewicht zunimmt, steigen gleichzeitig auch Blutdruck und Puls sowie die Mengen an
Leptin, Glukose und Insulin im Blut sowie die Blutfettwerte inklusive des Cholesterinspiegels unverhältnismäßig stark an. "In dieser Zeit wird den Gefäßen extrem zugesetzt und ein Diabetes Typ 2 begünstigt. Das kann in den Abnehm-Phasen nicht wiedergutgemacht werden", mahnt Montani. Als wäre das noch nicht genug, leiden auch die Nieren unter dem Auf und Ab, Gallensteine treten häufiger auf, und auch Gebärmutterkrebs und Osteoporose werden verstärkt registriert. Unterm Strich bleibt ein unbequemes Resümee übrig, das Boeing für die Weltgesundheitsorganisation WHO so formuliert hat: "Weight Cycler haben eine erhöhte Sterblichkeitsrate".

Nicht ganz so dramatisch, aber für die Betroffenen ähnlich belastend ist eine andere Folge der immer wiederkehrenden Speckrollen: Der Jojo-Effekt drückt aufs Selbstwertgefühl. "Die Betroffenen berichten von Gefühlen wie Kontrollverlust und Versagen und machen sich Selbstvorwürfe", erklärt die Psychologin Johanna Friedli vom Kompetenz-Zentrum für Essstörungen und Adipositas in Zürich in "bild der wissenschaft". Sogar eine Zunahme von Depressionen und Suchterkrankungen sind dem Jojo-Effekt bereits zugeschrieben worden. Schuld an den Problemen sind nicht selten Kommentare aus dem Umfeld – schließlich fällt es viel mehr auf, wenn jemand ständig zwischen schlank und wohlbeleibt hin- und herschwankt als wenn er langsam, aber stetig an Gewicht zulegt.

Konkrete Angaben, wieviele Menschen genau mit den kommenden und gehenden Pfunden und ihren Folgen zu kämpfen haben, gibt es bislang nicht. Eine Studie aus den USA kommt zu dem Schluss, dass etwa ein Drittel der Übergewichtigen das Phänomen bereits am eigenen Leib erfahren hat. In Finnland soll gar knapp ein Drittel der Bevölkerung betroffen sein. Gefährdet ist aber eigentlich jeder, der schon einmal eine Diät gemacht hat – denn schockierende 90 bis 95 Prozent schaffen es nicht, ihr neues Gewicht länger als ein Jahr zu halten.

Und was kann man nun tun, um dem Jojo-Effekt zu entgehen? Die Empfehlung der Wissenschaftler ist unbequem und auch nicht neu: Keine Crash-Diäten, sondern dauerhafte Umstellung der Ernährungsgewohnheiten und körperliche Aktivität, lautet das Rezept. Nur so lässt sich der Körper austricksen – denn schließlich handelt es sich bei der rasanten Gewichtszunahme nach einer Hungerperiode um ein uraltes Notfallprogramm, mit dem sich der Körper gegen kommende schlechte Zeiten, sprich weitere Diäten, wappnet.

Kathrin Burger: "Vorsicht Joschka!", bild der wissenschaft 3/2008, S. 43

ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel

 

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12.02.2008

 

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11.02.2008 - Gesundheit

Bestätigt: Süßstoffe machen dick

Durch den süßen Geschmack ohne Kalorienzufuhr gerät die Nährstoffverarbeitung aus dem Takt

Die Verwendung von künstlichen Süßstoffen statt Zucker kann zu Schwierigkeiten bei der Kontrolle der Essensmenge und damit zu Übergewicht führen. Der Körper wird durch die Kombination von Süße und fehlenden Kalorien so verwirrt, dass er danach kalorienreiche Gerichte weniger effektiv abbaut und mehr davon verlangt. Das schließen Susan Swithers und Terry Davidson von der Purdue-Universität in West Lafayette aus Experimenten mit Ratten.

Swithers und Davidson fütterten für ihre Studie Ratten mit Joghurt, der einmal mit normalem Zucker und einmal mit kalorienlosem Saccharin gesüßt war. Ratten, die Süßstoff zu sich genommen hatten, nahmen in der Folgezeit mehr Gewicht als die Vergleichsratten zu und fraßen auch größere Mengen kalorienreicher Nahrung. Die Forscher erklären sich ihre Ergebnisse folgendermaßen: Gibt es keine Verbindung zwischen Süße und Kalorien mehr, fährt der Körper bei weiteren süßen Mahlzeiten die Verdauung nicht mehr auf den normalen Level hoch. Die Verwertung der Nährstoffe wird schlechter und der Körper verlangt mehr süße Produkte als zuvor. Dies bleibt auch dann noch der Fall, wenn der süße Eindruck wieder durch kalorienreiche Kost hervorgerufen wird.

Untermauern konnten die Wissenschaftler ihre Erklärung durch Messungen der Kerntemperatur der Ratten. Diese steigt, wenn der Verdauungsapparat aktiviert wird: Je höher die Temperatur, desto aktiver ist die Verdauung. Swithers und Davidson maßen bei den mit Süßstoff gefütterten Tieren eine deutlich geringere Kerntemperatur als bei den Vergleichsratten. Dies belege, so die Forscher, dass die Verdauung nach der Aufnahme von Süßstoff nicht so effizient arbeite wie vorher. Swithers und Davidson raten deshalb dazu, eher das Original zu essen als eine kalorienarme Alternative, da die Gewichtszunahme auf lange Sicht geringer ausfalle. Die Forscher betonen aber auch, dass die Reaktion des Körpers von Erfahrung gesteuert werden kann. Ist sich der Mensch des Problems bewusst, könnten negative Folgen vermieden werden.

Studien aus den USA zeigen jedoch, dass dies eher nicht der Fall ist: Seit Einführung von Diät-Erfrischungsgetränken ist die Zahl der Fettleibigen deutlich gestiegen. Andere Forscher haben außerdem einen Zusammenhang zwischen vermehrtem Genuss von Diätgetränken und höherem Risiko für Fettablagerungen in der Bauchhöhle, Bluthochdruck und Insulinresistenz beobachtet.

Susan Swithers und Terry Davidson (Purdue-Universität, West Lafayette):
Behavioral Neuroscience, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1037/0735-7044.00.0.000

ddp/wissenschaft.de – Livia Rasche

© wissenschaft.de, Konradin Relations GmbH 2006

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08.12.2007

Sportliche Adipöse leben länger als dünne Bewegungsmuffel

 

Gute Fitness kann viel Bauchfett und einen hohen BMI ausgleichen

 

COLUMBIA (hub). Übergewichtige müssen nicht ständig mit "abspecken, abspecken" gequält werden. Zumindest bei den Sportlichen kann man das lockerer sehen: Fitte Dicke leben länger als Dünne mit geringer Fitness.

 

 

 

 
     
 

Dieser Tischtennisspieler scheint körperlich fit zu sein. Die Fitness zu erhöhen ist noch wichtiger, als nur abzuspecken.

Foto: Klaro

 

 

Zu dem Schluss kommen Forscher aus South Carolina. Sie hatten 12-Jahres-Daten von mehr als 2600 über 60-Jährigen ausgewertet (JAMA 298, 2007, 2507). Alle hatten Gesundheitschecks und Fitnesstests gemacht. Bestimmt wurde nicht nur der BMI, sondern auch der Bauchumfang.

Körperlich fitte Adipöse (BMI 30 bis 34,9) hatten in diesen zwölf Studienjahren eine geringere Sterberate als Schlanke und Normalgewichtige (BMI 18,5 bis 24,9). Bei den fitten Dicken lag die Sterberate bei 1,6, bei den dünnen Bewegungsmuffeln hingegen bei 4,9 pro 1000 Personenjahren. Was auch auffiel: Bei Fitten mit viel Bauchfett war die Sterberate in den zwölf Jahren nur halb so groß wie bei Unfitten ohne Bauch (6,2 versus 14,5).

www.aerztezeitung.de hat weitere Infos, suchen mit "Adipositas"


 

Copyright © 1997-2007 by Ärzte Zeitung Verlags-GmbH

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18.11.2007

Appetitzügler löst Angst und Depressionen aus

Abspeckpillen mit dem Wirkstoff Rimonabant in den Vereinigten Staaten bereits verboten

London - Zwei neue Studien haben den Verdacht bestätigt, dass der in Appetitzüglern enthaltene Wirkstoff Rimonabant das Risiko für Depressionen und Angstzustände erhöht. Die Medizinzeitschrift "The Lancet" berichtet in ihrer am morgigen Samstag erscheinenden Ausgabe über eine Studie aus Dänemark.

Forscher an der Universität von Kopenhagen analysierten vier Testreihen, in denen 4105 Patienten täglich entweder 20 Milligramm des in den USA verbotenen Wirkstoffs Rimonabant oder die gleiche Menge eines Placebos verabreicht worden waren.

Binnen eines Jahres nahmen diejenigen Patienten, die die Abspeckpille erhalten hatten, 4,7 Kilogramm mehr ab als die Kandidaten, die ohne ihr Wissen das Placebo eingenommen hatten. Bei den erfolgreichen Abnehmern lag das Risiko "nachteiliger" oder "sehr nachteiliger" Nebenwirkungen jedoch um 40 Prozent höher. So brachen die Rimonabant-Patienten die Therapie zweieinhalb Mal häufiger wegen Depressionen und dreimal häufiger aufgrund von Angstzuständen ab als die anderen Testpersonen. Die Ergebnisse wurden als besonders aussagekräftig gewertet, weil Patienten mit einer Vorgeschichte von Depressionen von den Tests ausgenommen waren.

Das "British Medical Journal" veröffentlicht heute eine Studie, wonach Rimonabant sowie die Wirkstoffe Orlistat und Sibutramin keine dauerhafte Gewichtsabnahme ermöglichten. Kanadische Forscher werteten Daten aus 30 Testreihen aus, in denen übergewichtige Freiwillige die Abnehmmittel oder ein Placebo bekamen. Die Appetitzügler führten bei den durchschnittlich 100 Kilogramm schweren Probanden zu einem Gewichtsverlust von weniger als fünf Kilogramm. Alle Mittel hatten Nebenwirkungen, so die Zunahme von Depressionen und Angstzuständen bei Rimonabant.

Das Pharmaunternehmen Sanofi-Aventis wollte unter dem Markennamen Zimulti ein Abspeckmittel mit dem Wirkstoff Rimonabant in den USA vertreiben. Dies verbot die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA im Juni.

In der Europäischen Union ist das Mittel unter dem Namen Acomplia erhältlich. Allerdings wird ausdrücklich davor gewarnt, es Patienten mit Depressionen zu verabreichen. AFP

Aus der Berliner Morgenpost vom 16. November 2007

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16.11.2007

Fastfood-Studie

Genuss mit Gewissensbissen

90 Prozent der Bundesbürger gönnen sich wenigstens gelegentlich einen Fastfood-Snack. Ein Hauch von schlechtem Gewissen ist aber immer dabei.

Trotz der Dauerdiskussion um gesunde Ernährung und der Beliebtheit von Kochshows bleibt der Fastfood-Boom in Deutschland ungebrochen: 90 Prozent der Bundesbürger besuchen zumindest ab und zu ein Fastfood-Restaurant. Über 60 Prozent essen mindestens einmal im Monat dort und rund ein Viertel der 14- bis 30-Jährigen geht sogar wenigstens einmal pro Woche zu McDonalds, Burger King und Co. Das ergab die Studie „Zwischen Hamburgern und Frankfurtern – Eine Typologie von Fastfood-Nutzern“ des Kölner Instituts Psychonomics. Die Marktforscher befragten 1200 Bundesbürger ab 14 Jahren zu ihrer Einstellung zu Fastfood und ihren Konsumgewohnheiten.

Beliebteste Fastfood-Restaurants der Deutschen sind die großen Fastfood-Ketten wie McDonalds (66% Nutzer) und Burger King (43%), aber auch individuelle Imbisse (42 %), gefolgt von Nordsee (36 %), der Ikea-Systemgastronomie (26 %), Subway (19 %) und Pizza Hut (13 %). 22 Euro lassen die Imbissfans durchschnittlich pro Monat im Schnellrestaurant. Ein Viertel der Befragten gab an, vor allem wegen der Kinder ins Fastfood-Restaurant zu gehen.
 

Gewissensbisse beim schnellen Snack

Schnelligkeit (86 %) und Kalkulierbarkeit („Man weiß, was man bekommt“, 70 %) sind die Hauptargumente fürs Fastfood. Der überwiegenden Zahl der Konsumenten schmeckt es aber auch – den unter 30-Jährigen noch besser (82 %) als dem Gesamtdurchschnitt (70 %). Zwei von drei Deutschen sind zudem überzeugt, dass die Qualität von Fastfood nicht schlechter ist als das Essen in der Gastronomie insgesamt.

Ganz unbeeinflusst von den öffentlichen Kampagnen für gesunde Ernährung zeigen sich die „Schnellesser“ allerdings nicht: Jeden vierten Konsumenten plagt nach dem
Fastfood-Genuss ein schlechtes Gewissen. Dabei haben vor allem die 14- bis 30-Jährigen Schuldgefühle, die am meisten Fastfood konsumieren.

Sechs Typen von Fastfood-Konsumenten

Die Studie hat auch die individuellen Motive und Gewohnheiten der Konsumenten untersucht. „Aus psychologischer Sicht lassen sich sechs unterschiedliche Typen von Fastfood-Konsumenten in der Bevölkerung ausmachen“, sagt Studienleiterin Christina Kranendonk.

„Hemmungslose Fans“ (12 %) essen Fastfood häufig und unbekümmert, am liebsten in großen Fastfood-Ketten. „Traditionelle Gewohnheitsnutzer“ (17 %) sind dem Fastfood bereits seit Kindertagen treu und gehen heute aufgrund der ungezwungenen Atmosphäre gerne mit ihren eigenen Kindern in diese Restaurants. Sie plagt beim Fastfood-Konsum aber oft ein schlechtes Gewissen. Auch „kontrollierte Genießer“ (24 %) greifen gerne zu Fastfood, versuchen aber, sich im Fastfood-Restaurant möglichst gesund zu ernähren. Sie haben ihr schlechtes Gewissen abgelegt und stehen zu ihrer Vorliebe. „Hungrige Streuner“ (18 %) nutzen Fastfood spontan, wenn sie gerade Hunger verspüren und ihn möglichst schnell stillen wollen. Besonders gut schmeckt es ihnen aber nicht. „Schlichte Pragmatiker“ (18 %) mögen es beim Essen grundsätzlich einfach und gleichförmig. Sie schätzen daher die verlässlichen Standards großer Fastfood-Konzerne, die sie vor unliebsamen Überraschungen schützen. „Gutmütige Versorger“ (12 %) besuchen Fastfood-Restaurants nur wegen ihrer Kinder, obwohl ihnen Fastfood selbst nicht schmeckt und sie Schnellrestaurants nicht wirklich mögen.

pap/dpa-ots

 

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13.11.2007 

 

Emotionale Esser bleiben dick

PROVIDENCE – Frustesser haben es besonders schwer - denn wer sich zu häufig mit Essen tröstet, nimmt schlechter ab und schneller zu. Eine neue Studie ergab, dass Übergewichtige bei sozialen, nicht aber emotionalen Gelegenheiten über die Stränge schlagen dürfen.

 

Wer aus emotionalen Gründen gerne mal den Kühlschrank plündert, hat es schwerer schlank zu bleiben. Forscher des Miriam Hospitals der Brown University entdeckten, dass gefühlsbetonte Esser bei einer Diät weniger Gewicht verlieren. Außerdem legen sie nach einer erfolgreichen Abspeckkur schneller wieder zu als Menschen, die sich nicht mit Nahrung trösten. Die Mediziner unter Leitung von Heather M. Niemeier schreiben in der Fachzeitschrift Obesity (2007, 15: 2485-2494), dass dieser Aspekt in Abnehmprogrammen meist zu kurz komme.

Die Wissenschaftler werteten Fragebögen von mehr als 3.500 Personen aus, die entweder gerade an einer Diät teilnahmen oder bereits ein Abnehmprogramm hinter sich hatten. "Wir konnten zeigen, dass je öfter Menschen angaben, aufgrund von Gedanken und Gefühlen zu essen - beispielsweise 'wenn ich mich einsam fühle, tröste ich mich mit Essen' - desto weniger Gewicht verloren sie in Diät-Programmen", sagte Heather Niemeier. Und diejenigen, die bereits abgenommen hatten, legten deutlich schneller an Pfunden zu, wenn sie zu den emotionalen Essern zählten. Hingegen hatte es keine negativen Folgen, wenn auf Festen oder mit Freunden zu viel gegessen wurde.

Enthemmtes Essen - beispielsweise aus Einsamkeit oder zu festlichen Anlässen - hatte sich bereits in früheren Studien negativ auf das Gewicht der Teilnehmer ausgewirkt. Niemeier und ihrem Team gelang es durch die Untersuchung, die Motive hinter den Essattacken nun näher zu bestimmen.

 

Die emotionalen Faktoren würden in Abnehmprogrammen zu wenig berücksichtigt, so Niemeier. Diät-Berater sollten übergewichtigen Menschen Tipps geben, wie man mit Gefühlen umgeht, die einen zur Völlerei treiben. Dann, so die Expertin, hätten die Programme auch mehr Erfolg.
 

 

MT-Online D, Fabian Seyfried

 

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06.11.2007, 16:04

 

Training

Sport rettet die Figur

 

Die meisten Menschen legen Jahr für Jahr ein bisschen zu. Mediziner empfehlen regelmäßigen Sport, um die Pfunde in Schach zu halten. Eine aktuelle Studie belegt: Das Schwitzen lohnt sich.

 

Die Quälerei lohnt sich

Ein konstant hoher Level an körperlicher Aktivität von der Jugend bis ins Erwachsenenalter hilft tatsächlich, die Figur zu erhalten. Das zeigt die Langzeitstudie CARDIA (Coronary Artery Risk Development in Young Adults) mit über 2600 Teilnehmern. 20 Jahre lang verfolgten Forscher den Werdegang der Freiwilligen, die zu Beginn der Untersuchung zwischen 18 und 30 Jahre alt waren.

Täglich 30 Minuten

Das Ergebnis: Teilnehmer die angaben, täglich mindestens 30 Minuten Sport zu treiben, hatten eine doppelt so große Chance, ihr Gewicht über die Jahre zu halten wie die unsportlichen Teilnehmer. Natürlich gab es auch sportlich hochaktive Teilnehmer, die in den zwei Jahrzehnten Gewicht zulegten. Im Schnitt nahmen sie aber immer noch 14 Pfund weniger zu als Probanden, die all die Jahre wenig Sport getrieben hatten.

Viele Untersuchungen belegen bereits, dass Sport hilft, das Gewicht zu regulieren. Dies ist jedoch die erste Studie, die den Erfolg über einen langen Zeitraum dokumentiert. „Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse junge Menschen darin bestärken, ein Leben lang sportlich aktiv zu sein“, sagt Studienleiterin Arlene Hankinson von der Northwestern University inIllinois, USA.


 

Copyright © 2007 by FOCUS Online GmbH

 

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05.11.2007

Dicke Menschen leiden an Körper und Seele

Paris - Dicke Menschen leiden drei bis vier Mal häufiger und stärker unter Depressionen und Angsterkrankungen als Normalgewichtige. "Adipöse stufen sich selbst als sozial unattraktiv ein", berichtete Christoph Beglinger vom Universitätshospital Basel beim Gastroenterologen-Kongress in Paris: "Sie nehmen an, dass hinter ihrem Rücken über sie geredet wird." Bei der beruflichen Anstellung seien sie benachteiligt, bei Ärzten würden sie zum Teil respektlos behandelt. In Europa ist mindestens jeder zweite Erwachsene fettleibig, etwa jeder fünfte sogar krankhaft fettsüchtig, also adipös. Gänzlich anders fühlten sich die Betroffenen nach erfolgreicher Diät, betonte der Professor. Ihre psychische Verfassung bessere sich dramatisch. "90 Prozent von ihnen können sich eher vorstellen, ein amputiertes Bein oder Blindheit in Kauf zu nehmen, als wieder extrem adipös zu werden", sagte Beglinger. Diese Daten ließen den starken Leidensdruck erkennen.

Aber nicht nur die Seele leidet: So sei bei übergewichtigen Frauen das Schlaganfallrisiko um 75 Prozent erhöht, und sie entwickelten zwei bis drei Mal häufiger Gallensteine als Normalgewichtige. Fettleibige Männer haben ein 33 Prozent höheres Risiko, an Krebs zu sterben, und vier von fünf dicken Männern leiden am gefährlichen Schlaf-Apnoe-Syndrom.

AP

Aus der Berliner Morgenpost vom 4. November 2007

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23.10.2007

 

Gesundheit

 

Gewichtige Daten

Neue Studie zeigt: Über die Hälfte aller Menschen weltweit sind zu dick

Etwa 60 Prozent aller Menschen weltweit haben ein zu hohes Körpergewicht, knapp 30 Prozent sind sogar krankhaft fettleibig. Das hat ein internationales Forscherteam in einer Untersuchung von fast 200.000 Männern und Frauen aus 63 Ländern herausgefunden. Untersucht wurden dabei Personen aus zufällig ausgewählten städtischen und ländlichen Gebieten von ihrem jeweiligen Hausarzt.


Für die Studie nahmen die Wissenschaftler Daten wie Alter, Geschlecht, Größe, Gewicht und Bauchumfang auf und untersuchten, ob die untersuchten Personen unter Herzkrankheiten oder Diabetes litten. Aus Größe und Gewicht berechneten sie zudem den Body Mass Index (BMI), indem sie das Gewicht durch die Körpergröße zum Quadrat teilten. Als normalgewichtig gelten Menschen mit einem BMI zwischen 19 und 25. Der Bauchumfang wurde zwischen dem unteren Rippenbogen und der Oberkante des Hüftknochens gemessen und lässt auf den Anteil des sogenannten viszeralen Fettgewebes am Gesamtkörpergewicht schließen – jenes Fettgewebes also, das sich als Fettdepots im Bauchraum und an inneren Organen festsetzt. Es gilt als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Insgesamt wurden 69.409 Männer und 98.750 Frauen im Alter zwischen 18 und 80 Jahren aus 63 Ländern von fünf Kontinenten untersucht.

Bei den Männern hatten 40 Prozent einen BMI zwischen 25 und 30 Kilogramm pro Quadratmeter, gelten also als übergewichtig. 24 Prozent hatten einen BMI von über 30 und sind somit stark übergewichtig beziehungsweise fettleibig. 56 Prozent der Männer hatten einen Bauchumfang von mehr als 94 Zentimetern und damit zuviel viszerales Fett und ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. 16 Prozent der Studienteilnehmer hatten Herzkrankheiten und 13 Prozent litten unter Diabetes

Bei den Frauen waren nach dem errechneten BMI 30 Prozent übergewichtig und 27 Prozent fettleibig. 71 Prozent hatten einen Bauchumfang von über 80 Zentimetern und somit zuviel Fettgewebe im Unterleib. Bei 13 Prozent der Studienteilnehmerinnen wurden Herzerkrankungen festgestellt und 11 Prozent hatten Diabetes.

Die Forscher rufen alle Regierungen dazu auf, mehr Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen, die Bevölkerung stärker für körperlichen Aktivitäten und Bewegung zu begeistern und sie zu einer gesünderen Ernährung anzuhalten. Sie befürchten, dass ansonsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes noch mehr zunehmen werden.



Beverley Balkau (Institut national de la santé et de la recherche médicale, Villejuif) et al.: Circulation, Bd. 116, Ausgabe 17

ddp/wissenschaft.de – Tobias Becker

 

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20.10.2007

 

Erkältung

Was bringt die Extradosis Vitamin C?

OXFORD – Die Temperaturen fallen und die Erkältungsgefahr steigt. Aber der Griff zu einer zusätzlichen Dosis Vitamin C schützt nur bedingt, ergibt ein Studienüberblick.

Vitamin C gilt als Mittel zum Schutz vor Erkältungen. Eine Übersichtsarbeit untersuchte die Daten aus zahlreichen Studien zur Wirkung von Vitamin C als vorbeugendes oder heilendes Mittel bei Erkältungen. Für Menschen mit normaler Belastung, so das Ergebnis, ist keine erhöhte Vitamin-C-Zufuhr notwendig. Wer allerdings viel Sport treibt oder sich in kühler Umgebung aufhält, der profitiert von einer zusätzlichen Portion des Vitamins, berichtet die Fachpublikation The Cochrane Database of Systematic Reviews (doi10:1002/14651858.CD000980.pub3).

Als Basis für den Überblick dienten 30 Studien mit insgesamt 11.300 Teilnehmern, die jeweils untersuchten, ob eine zusätzliche Einnahme von mindestens 200 Milligramm Vitamin C pro Tag Erkältungen vorbeugt, 30 Studien, die die Erkältungsdauer nach vorbeugender Vitamin-C-Einnahme betrachtete und sieben Studien, die unter die Lupe nahmen, inwieweit zusätzliches Vitamin C sich bei den beteiligten 3.300 Versuchspersonen während der Infektion wohltuend auswirkt.

Die Einnahme von zusätzlichem Vitamin C, so das Ergebnis, "hat keine Auswirkung auf das Auftreten normaler Erkältungen in der Bevölkerung", heißt es in der Überblicksstudie. Eine Ausnahme bilden dabei Sportler: Bei ihnen halbierte die Vitamin-C-Zugabe das Risiko, an einer Erkältung zu erkranken. Wer schon erkältet ist und sich hier von zusätzlichem Vitamin C Heilung erhofft, hofft gemäß den Studienergebnissen vergebens - wenn die Einnahme nach Beginn der Krankheit erfolgt, dauert der Schnupfen genauso lange und weist dieselben Symptome auf wie ohne den zusätzlichen Vitamineinsatz.

Die Überblicksstudie räumt allerdings ein, dass die ergänzende Einnahme von Vitamin C während einer Erkältung noch unzureichend untersucht sei. Weitere Studien seien hier erforderlich, besonders auch bei Kindern, heißt es.

Auch ohne Erkältungsgefahr und bevorstehendem Marathonlauf gehört jedoch eine gewisse Dosis an Vitamin C zur gesunden Ernährung - die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Jugendliche ab 13 Jahren und Erwachsene 100 Milligramm täglich, bei Kindern etwas weniger. Für vier- bis siebenjährige beispielsweise empfiehlt die DGE eine tägliche Dosis von 70 Milligramm. Diese Mengen erhält man aber schon über die normale Nahrung. Die empfohlenen 100 Milligramm für Erwachsene sind etwa in 200 Gramm frischen Orangen enthalten oder in 164 Gramm frisch gegarten Broccoli. Wer lieber Kiwis isst, kommt hier mit 141 Gramm auf die tägliche Dosis Vitamin C. Und bei frischer roter Paprika reichen laut Angaben des Instituts für Ernährungswissenschaft der Universität Hohenheim sogar schon 71 Gramm.

 

MT-Online D, Marlies Michaelis

 

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18.10.2007

 

Wunschgewicht

Endlich abgenommen? Jetzt nur dabeibleiben!

Medical Tribune Bericht

 

Landauf, landab wimmelt es von Ernährungstipps. Trotzdem werden die Deutschen immer dicker, rund zwei Drittel leiden unter Übergewicht! Denn auch wenn es oft gar nicht schwer ist, ein paar Pfunde zu verlieren – ehe man sich versieht, sind die gepurzelten Pfunde schon wieder da.

 

Übergewicht macht krank – das ist allseits bekannt. Viele Schuldige wurden schon ausfindig gemacht – zu wenig Bewegung, falsche Nahrungsmittel, die falsche Art zu essen –, jetzt rücken zunehmend auch die psychologischen Mechanismen, die hinter unserem gefräßigen Verhalten stecken, in den Fokus der Aufmerksamkeit. Diese Mechanismen nennt der Psychologe Professor Volker Pudel aus Göttingen als wesentliche Ursache dafür, dass unser Essverhalten keinen rationalen Grundsätzen folgt, sondern überwiegend emotional gesteuert wird. „Essen“ steht sehr weit oben in der Lusthierarchie – da werden gute Vorsätze auch schnell wieder über Bord geworfen.

 

Übergewicht sei aber nicht ausschließlich Schuld des Einzelnen, betont Prof. Pudel. Entscheidende Rolle spiele auch die genetische Veranlagung: Übergewichtige reagieren auf übermäßige Nahrungsangebote anders als Schlanke. Der Ernährungsexperte schildert ein Experiment, bei dem durch ein unsichtbares Loch in einem Suppenteller die verzehrte Menge sofort wieder von unten aufgefüllt wurde. Übergewichtige Personen aßen daraufhin etwa 180 Prozent mehr als schlanke Esser – offensichtlich sind sie auf andere Sättigungssignale konditioniert.

 

Um das Sättigungsgefühl zu steigern, kann auch auf neuartige Nahrungsergänzungsmittel zurückgegriffen werden. Beispielsweise gibt es jetzt eine Emulsion aus Palm- und Haferöl. Wie Professor Martin Imhof aus Wien erklärt, wird die Substanz durch eine Schutzschicht im Verdauungstrakt nur langsam abgebaut. Dadurch werde dem Körper signalisiert, er habe genug Fett aufgenommen und sei satt. Dieser Effekt soll zum einen das Bedürfnis nach Zwischenmahlzeiten verringern und zum anderen bewirken, dass bei der nächsten Mahlzeit weniger gegessen wird. Angestrebt wird damit, das Essverhalten langsam aber stetig zu ändern.

Übrigens: Verschiedene Untersuchungen haben ergeben, dass sich die Gesamtkalorienaufnahme von Dicken und Dünnen nur unwesentlich unterscheidet, die Mahlzeiten von Übergewichtigen aber deutlich mehr Fett und weniger Kohlenhydrate enthalten. Mit dem altbewährten Tipp „Weniger essen, mehr bewegen“ ist es daher nicht ausschließlich getan.

 

Nach Professor Pudels Auffassung schafft es jeder, sein Gewicht in kurzer Zeit zu reduzieren, egal welche Diät er wählt. Nur – das ändert nichts am erlernten Essverhalten. Die langfristige Gewichtsstabilisierung kann nur gelingen, wenn der gesamte Lebensstil geändert wird. Die Ernährung sollte dauerhaft eher fettarm und lieber kohlenhydratlastig sein. Außerdem ist etwas mehr Bewegung im Alltag wichtig. Dabei soll man sich nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Wenig hilfreich sind strikte Vorsätze wie „Nie wieder Schokolade“. Schon kleine Verstöße gegen diese Prinzipen führen zu großer Frustration und bewirken letztlich meist das Gegenteil – nach dem Motto „Jetzt ist es auch schon egal“.

 

Wichtig sei es, sich mit den Gründen für das Übergewicht zu beschäftigen und die Motivation zur Gewichtsabnahme zu steigern. Als anschauliches Beispiel schildert Dr. Ian Campbell aus Nottingham die Geschichte eines jungen Mannes mit starkem Übergewicht, der – vor allem aus diesem Grund – keine Arbeit finden konnte. Er war Fan von Michael Schumacher, aber den Besuch eines Formel-1-Rennens konnte er sich nicht leisten. Campbell erklärte ihm, wie hilfreich eine Gewichtsreduktion sei – dann könne er sich um Arbeit bemühen, Geld verdienen und endlich sein Idol sehen. Die Taktik hatte Erfolg.

Schicksal "Übergewicht"

 

F       Vertrauen Sie nicht auf Blitzdiäten

F       Zählen Sie nicht die Kalorien, sondern das Fett 

F       Bewegen Sie sich mehr im Alltag 

F       Kasteien Sie sich nicht mit strengen Prinzipen 

F       Suchen Sie sich eine starke Motivation für Ihr Wunschgewicht 

F       Nutzen Sie Hilfen beim Sattwerden

 

MTPub, Ausgabe 03 / 2007 S.18, ABR

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